Bomben auf Kassel Oktober 1943

3. Oktober 2018

Bomben auf Kassel: Voraussetzungen – Ereignisse – Folgen

Vortrag, Zeitzeugengespräch und Diskussion
am Dienstag, den 16. Oktober 2018, um 19:00 h im Café Buch Oase, Germaniastraße

Der 75 Jahrestag der Bombardierung Kassels, der insbesondere in der Kasseler Altstadt verheerende Folgen hatte und dem über 10.000 Menschen zum Opfer fielen, wird seit längerer Zeit in den Medien thematisiert.

Nach einem Aufruf in der Lokalpresse haben sich mehrere hundert Bürgerinnen und Bürger gemeldet, die ihre eigenen Erlebnisse an diesem Tag, oftmals als Kinder und Jugendliche in eindringlichen Worten schilderten.

Bezeichnend ist, dass die Voraussetzungen bzw. die Gründe, warum die Stadt Kassel und die Region Ziel alliierter Bombenangriffe wurde, in den zahllosen Zeitzeugenberichten selten angesprochen werden. Dabei ist es gerade für die Perspektive auch von Nachgeborenen von Bedeutung zu erfahren, was Ursachen und Wirkungen in diesem Krieg waren und in welcher Form Kassel und seine Bürger darunter zu leiden hatten.

Aus heutiger Perspektive ist es ebenfalls klärungsbedürftig, warum nach diesen Erfahrungen der Zerstörung und des Verlustes eigener Familienangehöriger die Durchhalte-Propaganda des Naziregimes dennoch dafür Sorge tragen konnte, dass es auch in Kassel noch eineinhalb Jahre dauerte, bis durch den militärischen Vormarsch der amerikanischen Truppen Ostern 1945 diese Herrschaft beendet werden konnte.

Es ist unstrittig, dass die Kasseler Toten der Bombennacht Kriegsopfer waren. Zu klären ist jedoch, ob sie nicht gleichzeitig Opfer ihrer eigenen Verblendung und der faschistischen Kriegspropaganda wurden.

Das Kasseler Friedensforum und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) möchte mit dieser Diskussionsveranstaltung Antworten auf solche Fragen von Nachgeborenen geben und damit einen Beitrag für einen gesellschaftlichen Dialog über dieses historische Ereignis leisten.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Die Veranstalter behalten sich vor, vom Hausrecht nach § 6 des Versammlungsgesetzes Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.

In Chemnitz und überall AUFSTEHEN GEGEN RASSISMUS UND NEONAZIS

23. September 2018

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In Chemnitz ist es Rassist*innen und Neonazis gelungen, für ihren Hass gegen Flüchtlinge und Migrant*innen eine Massenbasis zu finden. Mit Abscheu und Entsetzen haben wir gesehen, wie sie – gerufen von AfD, NPD, Pegida, den rechtsradikalen Fußballfans „Kaotic Chemnitz“, und „Pro Chemnitz“ – Menschen gejagt, Hetzparolen gegrölt und den Hitlergruß gezeigt haben.
Es ging nicht um „Selbstschutz“ oder „Selbstverteidigung“, wie führende AfD-Funktionäre wie Gauland, Meuthen und Weidel behaupten. Es ging auch nicht um Selbstjustiz, wie in Medien zu lesen war. Denn die angegriffenen Menschen hatten nichts getan, außer „ausländisch“ auszusehen.
Es ist eine Schande, wenn Alexander Gauland es normal findet „dass Menschen ausrasten, wenn eine solche Tötung passiert.“ Es zeigt den Charakter der AfD, wenn Gauland den Aufruf zur rassistischen Hassorgie durch den AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Fronmaier verteidigt. Er hatte am Tag zuvor dazu aufgerufen „die todbringende Messerimmigration zu stoppen.“ Durch die gezielte Falschmeldung, dass das Opfer H. getötet wurde, als er eine Frau gegen sexuelle Belästigung verteidigte, haben die Organisator*innen der Hetzjagden an gängige Vorurteile appelliert, Migrant*innen würden deutsche Frauen belästigen.
Die AfD instrumentalisiert die Tötung eines 35jährigen Mannes. 2017 gab es 405 Morde und 2400 weitere Tötungsdelikte in Deutschland. Die große Mehrzahl dieser Straftaten wurde von Menschen „deutscher Abstammung“ begangen.
Es geht den rechten Hetzer*innen weder um die Sicherheit der Bürger noch um die Verhinderung von Gewalttaten. Es geht ihnen darum, eine Pogromstimmung zu schaffen, die Geflüchtete und Migrant*innen in Angst und Schrecken versetzen und zur Flucht aus Deutschland bewegen soll.
Die neue Qualität der rassistischen Demonstrationen von Chemnitz hat mindestens zwei Väter:
Erstens die AfD, die aus ihrer offenen Zusammenarbeit mit Neonazis von Pegida und Pro Chemnitz keinen Hehl mehr macht. Die Wahlerfolge der AfD geben den Rassist*innen und Neonazis Mut und Auftrieb.
Zweitens aber jene Politiker*innen der konservativen Rechten wie Innenminister Seehofer, der seit Monaten gegen Flüchtlinge und Asylsuchende Stimmung macht, indem er sie als „nationale Gefahr“ hinstellt. Auch das hat die Neonazis in der AfD und rechts von der AfD zu ihren Aufrufen zur „Selbsthilfe“ an die Bürger*innen ermutigt. Zur Normalisierung von Rassismus und Faschismus beigetragen haben auch die CDU-Landeschefs von Sachsen-Anhalt und Sachsen, indem sie öffentlich über eine mögliche Regierungskoalition mit der AfD spekulieren.
Der rassistische Hassausbruch von Chemnitz betrifft uns alle. Chemnitz droht überall, nicht nur in Ostdeutschland. Auch in Kandel (Pfalz) haben AfD und andere Nazigruppen mit der Hetzparole von der „Ausländerkriminalität“ über Monate gegen Migrant*innen mobilisiert.
Wir sagen:
• Schluss mit der Verharmlosung der AfD als „rechtspopulistische“ oder „national-konservative Partei“. Die AfD ist Sammelbecken für alle Schattierungen der extremen Rechten, eine faschistische Partei im Werden.
• Schluss mit der Normalisierung der AfD als möglicher Partner für Regierungsbeteiligungen.
• Seine Zusammenarbeit mit der AfD im Bundestag, Länderparlamenten und Kommunen.
• Schluss mit dem Gerede von „besorgten Bürger*innen“, die ihre Wut und ihren Hass an allen auslassen, die anders aussehen als sie selbst. Das ist pure Menschenverachtung.
Unsere Solidarität gilt zuerst den Menschen, die in Chemnitz durch die Straßen gejagt, bedroht, verletzt wurden. Sie brauchen ein deutliches Zeichen aus der Gesellschaft, dass sie nicht mit dem Mob alleine gelassen werden.
Unsere Solidarität gilt allen, die aufstehen und der AfD die Stirn bieten. Das gilt in diesen Tagen ganz besonders für die, die in Chemnitz den Rassist*innen und Nazis nicht die Straßen überlassen. Ihr seid nicht allein.
Aktionskonferenz „Aufstehen gegen Rassismus“ am 1.9.2018 in Frankfurt am Main

Erfolg gegen die AfD in Kassel

18. September 2018

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Opernplatz, Kundgebung gegen die AFD
Foto: Schachtschneider

Mit einer großartigen Massenaktion am Opernplatz haben 2500 Menschen in Kassel am 17. September gegen die AfD mit ihren 80 Kundgebungsteilnehmern gezeigt, dass in in dieser Stadt kein Platz für Rassismus und rechte Propaganda ist. Auf der antifaschistischen Kundgebung wurden verschiedene Redebeiträge gehalten, die jedoch durch Trillerpfeifen und Trommeln gegen die AfD nicht immer zu hören waren. 

Nachfolgend kann man den kurzen Eröffnungsbeitrag des Sprechers der Kasseler Kreisvereinigung der VVN-BdA, Dr. Ulrich Schneider, nochmal im Wortlaut nachlesen:

Wenn wir heute hier gegen die AfD und ihre rechte Ideologie protestieren, dann haben wir in Kassel auch aus geschichtlicher Perspektive allen Grund dazu.

Die Menschen in dieser Stadt haben mehrfach leidvolle Erfahrungen damit sammeln müssen, was es bedeutet, wenn extrem rechte Ideologie und Politik an Einfluss gewinnt und an die Macht kommt.

In diesem Jahr erinnern wir an den 75. Jahrestag der Bombardierung Kassels am 22./23. Oktober 1943. Dieses Bombardement war eine direkte Folge der faschistischen Kriegspolitik für die Kasseler Bürgerinnen und Bürger:

Wer in den 30er Jahren bei den Reichskriegertagen die Revision der Ergebnisse des Ersten Weltkrieges fordert, darf sich nicht wundern, wenn der Krieg nach Kassel zurückkehrt.

Wer in dieser Stadt im Gebäude des Generalkommandos den Krieg plant, sollte eigentlich mitgedacht haben, dass es nicht nur ein „siegreiches Vorwärtsschreiten“ im faschistischen Sinne geben kann.

Und wer in den Grenzen dieser Stadt und in der Region eines der größten Rüstungszentren des Deutschen Reiches mit Henschel, Wegmann, Bode u.a. errichtet, kann nicht überrascht sein, wenn alliierte Bomber diese Stadt zum Zielobjekt auswählt.

Wer aber dann die Bombardierung der Stadt als „alliiertes Kriegsverbrechen“ bezeichnet, der ist nicht bereit, die geschichtliche Wirklichkeit anzuerkennen und – für heute – Verantwortung für eine ernsthafte Friedenspolitik in dieser Stadt zu übernehmen.

Und wer – wie Herr Gauland – davon spricht, die NS-Zeit und ihre Verbrechen seien ein „Fliegenschiss“ in der deutschen Geschichte und – wie Herr Höcke – eine 180° Wende in der Gedenkpolitik fordert, der ist auch nicht bereit, die Verbrechen vor 80 Jahren an den jüdischen Mitbürgern auch in dieser Stadt ehrlich in den Blick zu nehmen.

Bereits am 7. November 1938 begannen in Kassel – eigentlich als Auftakt für die spätere Reichpogromnacht – die antisemitischen Pogrome, die Zerstörung der Synagoge in der Bremer Straße und der jüdischen Einrichtungen in der kleinen Rosenstraße.

Seit vielen Jahren erinnert nicht nur die VVN-BdA mit öffentlichen Aktionen „vor den Augen dieser Stadt“ an dieses Verbrechen. Wir erklärten und erklären auch in diesem Jahr, in Kassel darf keinen Platz für Antisemitismus und andere Formen von Rassismus geben.

Daher wehren wir uns heute und auch zukünftig gegen die AfD und die mit ihr verbundene Hoffähig-Machung von rassistischen und extrem rechten Thesen in der öffentlichen Debatte.

Schon vor einigen Jahren gab die VVN-BdA die Losung heraus: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“. Das stimmt bis heute und das stimmt auch für die Auftritte der AfD, wie wir sie insbesondere von Höcke, Gauland oder nach den Vorgängen in Chemnitz erlebt haben.

In diesem Sinne danke ich euch allen, dass ihr diesen Protest aktiv mit unterstützt – die Rassisten und Rechtspopulisten dürfen nicht durchkommen.

Antikriegstag 2018 – Erinnerung und Handeln

2. September 2018

Am 1. September 2018 fand die schon traditionelle Kundgebung zum Antikriegstag auf dem Friedrichspaltz in Kassel statt. Vor etwa 200 Teilnehmenden und zahlreichen interessierten Passanten sprachen Bernd Rotauge (GEW), Dechant Fischer (Katholische Kirche), ein Vertreter der „Seebrücken“-Initiative und Jenny Huschke (Regionsvorsitzende des DGB). Die Band Dylons Dream unterstützte die Veranstaltung musikalisch. Gemeinsam zog man zum Abschluss zum Mahnmal für die Opfer des Faschismus (Fürstengarten), wo Ulrich Schneider für die VVN-BdA eine Abschlussrede hielt. Hier der Text der Rede:

Heute Morgen fand in der Matthäuskirche in Niederzwehren eine eindrucksvolle Veranstaltung zum Gedenken an belgische und französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter des Ersten Weltkrieges statt. Hier wurde an ein Kriegsverbrechen an 8000 belgische Zwangsarbeiter erinnert, was in unserer Stadt in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend verdrängt ist, obwohl viele von uns sicherlich die Kriegsgräberstätte auf dem „Keilsberg“ in Niederzwehren als britischen und russischen Friedhof kennen. In Belgien und Frankreich wurde aber die Erinnerung an diese Zeit lebendig gehalten, so dass heute daran erinnert werden konnte.

Es zeigt sich, dass Kassel bereits im ersten Weltkrieg eine wichtige Funktion in der deutschen Kriegsplanung und Umsetzung der Kriegsziele hatte. Im Schloss Wilhelmshöhe traf sich die Generalität – nicht um mit Kaiser Wilhelm II die Sommerfrische zu genießen – sondern um den Krieg zu planen, den Verlauf der Schlachten und das deutsche Vorgehen zu koordinieren. Und in Kassel selber wurden zahllose Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter als Hilfskräfte in der Landwirtschaft, in städtischen Diensten und der Industrie eingesetzt, um die Kriegsmaschine am Laufen zu halten.

Kassel hatte also schon im Ersten Weltkrieg lange Tradition als Stadt des Militarismus. Dieses wurde nur kurz unterbrochen durch die Novemberrevolution, an deren 100. Jubiläum wir in diesem Jahr erinnern. Ein Arbeiter- und Soldatenrat residierte wenige Wochen im Rathaus, bevor die alten Kräfte wieder ihren Einfluss zurückgewinnen konnten.

Und so kam es, dass Kassel sich bis 1939 wieder zu einem Zentrum der faschistischen Kriegsvorbereitung und Kriegsführung entwickelte, so dass die Stadt quasi zu einem Magneten für alliierte Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde.

In Kassel fand die strategische Kriegsplanung des Oberkommandos der Wehrmacht in den Räumen des Generalkommandos, das aus dem ursprünglich beschränkten Gebäude in der Oberen Königstraße im Mai 1938 in den Gebäudekomplex am Bahnhof Wilhelmshöhe umzog, statt. In sieben großen Sitzungssälen gab es nun genügend Platz für Sandkastenspiele zur Einsatzplanung beim Überfall auf Polen, dem Fall „Grün“, dem geplanten Überfall auf Frankreich, Belgien und die Niederlande, dem Fall „Weiß“, oder zum Einsatz der Heereseinheiten beim Überfall auf die Sowjetunion, dem Fall „Barbarossa“

Kassel war außerdem einer der zentralen Produktionsorte für Rüstungsgüter – erinnert sei nur an die Panzer- und Militärfahrzeugproduktion bei Henschel, Bode, Wegmann und Crede sowie an das im Krieg errichtete Werk für Henschel Flugmotoren, dem Gebäude des heutigen VW-Werks in Baunatal. Und das waren nur die größten Betriebe.

Kassel war ein logistisches Zentrum der Truppenbewegung und der Transporte von Militärgütern zwischen der West- und Ostfront oder vom Produktionsort Ruhrgebiet an die verschiedenen Frontabschnitte. Wer die militärische Infrastruktur des faschistischen Deutschlands treffen wollte, lag mit einem Angriff auf Kassel durchaus richtig.

Und Kassel war nicht zuletzt ein Ort der Kriegspropaganda. Seit 1935 war diese Stadt als „Stadt der Reichskriegertage“ der Aufmarschplatz für alle Ewig-Gestrigen, die gewillt waren, die Ergebnisse des Ersten Weltkriegs militärisch zu revidieren. Einmal im Jahr trafen ehemalige Frontkämpfer auf dem Friedrichsplatz in Marschformation zusammen und bekräftigten, dass sie den Versailler Vertrag so schnell wie möglich überwinden wollten.

Selbst wenn bei diesen Gelegenheiten das Wort „Frieden“ öffentlich geäußert wurde, so bedeuteten doch die Forderungen nach „Gleichberechtigung mit England und Frankreich“ nichts anderes als militaristische Machtansprüche gegenüber den Nachbarländern.

All das darf man nicht vergessen, wenn in diesem Jahr an den 22./23. Oktober 1943 als 75. Jahrestag der Bombardierung der Stadt erinnert wird.

Doch heutzutage sind in unserer Stadt auch Stimmen zu hören, die erklären, die Kasseler Zivilbevölkerung sei Opfer des „alliierten Luftterrors“ geworden. Gegen solche Aussagen möchte ich deutlich unterstreichen – der Begriff „Opfer“ ist richtigerweise nur anzuwenden auf diejenigen, die tatsächlich Verfolgte des Naziregimes gewesen sind. Und das war bereits eine große Gruppe der Gesellschaft:

Zu ihnen gehörten in Kassel die politischen Gegner, Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, linke Liberale und andere, die seit 1933 in der Stadt verfolgt und inhaftiert, nach Breitenau verschleppt oder später im Zuchthaus Kassel-Wehlheiden inhaftiert wurden.

Zu den Opfern des Faschismus gehörte die große Zahl der aus Gründen des Rassismus Verfolgten, die große Zahl jüdischer Bürger – und in diesem Jahr erinnern wir an den 80. Jahrestag der Reichpogromnacht, die am 7. November in Kassel ihren Anfang nahm – , Sinti und Roma oder so genannte „Gemeinschaftsfremde“, die sich – aus der Sicht der Nazis – nicht in die Volksgemeinschaft einordneten.

Und zu den Opfern gehörten selbstverständlich auch die Kriegsgefangenen und ausländischen Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges, von denen weit über 30.000 allein nach Kassel verschleppt worden waren.

Sie alle verdienen aus meiner Sicht den Begriff „Opfer“, auch wenn sich die politischen Gegner selber auch als Kämpfer gegen den Faschismus verstanden.

Mit dieser Aussage liegt es mir fern, die Kasseler Toten des Bombenkrieges abzuwerten. Denn die 10.000 Toten der Bombennacht waren auch Opfer, aber sie waren Opfer der deutschen faschistischen Kriegspolitik und sie waren in gewisser Weise Opfer ihrer eigenen Verblendung, denn – wie wir wissen – hat ein Großteil der Bevölkerung diese Kriegspolitik mitgetragen.

Als in den 30er Jahren die Propaganda-Veranstaltung „Luftschutz tut Not“ in der Karlsaue vor der Orangerie mit dem Abbrennen der Papp-Masche-Silhouette der Stadt Kassel endete, waren Tausende Schaulustige Zeugen des Geschehens. Von irgendwelchen Formen von Zweifeln oder gar öffentlichem Widerspruch ist nichts bekannt. Auch die Reichskriegertage wurden – so kann man in zeitgenössischen Berichten lesen – von der Bevölkerung durchaus mitgefeiert.

Und wenn ein kurhessischer evangelischer Pfarrer, der ein wichtiger Vertreter der Bekennenden Kirche war, seine Predigtsammlung 1940 mit dem Hinweis „Am Tag der Niederwerfung Frankreichs“ veröffentlicht, dann zeigt dies, wie weit in die bürgerliche Gesellschaft der Region hinein die Kriegszustimmung reichte.

Diejenigen, die warnten „Wer Hitler wählt, wählt Krieg“, waren schon vor 1933 in der Minderheit. Und diejenigen, die sich bis 1939 den Kriegsvorbereitungen entgegenstellten, waren eine noch kleinere Gruppe. Aber sie standen auf der richtigen Seite der Geschichte. An sie gilt es am heutigen Antikriegstag zu erinnern. Und ihren Beispielen folgend müssen wir heute – unter viel einfacheren Bedingungen, wo wir nicht um unsere Freiheit, Gesundheit oder gar Leben fürchten müssen – uns in aller Deutlichkeit gegen Kriegspolitik, Konfliktverschärfung durch Rüstungsexporte, militärische Konfliktlösungen und Rassenhass, der zu Gewalt auch im Inneren unseres Landes führt, wehren.

Damals wurden unter dem Schlagwort „Volksgemeinschaft“ alle so genannten „Gemeinschaftsfremden“ ausgegrenzt, drangsaliert und verfolgt. Heute glaubt ein rassistischer Mob – wie wir in den vergangenen Tagen in Chemnitz, aber nicht nur dort, erleben mussten – „Fremden“ auch ganz gewalttätig erklären zu können, „wem die Stadt gehört“.

Daher bedeutet Friedensarbeit heute – nach meiner Überzeugung – auch, solchen rassistischen Ungeist deutlich in die Schranken zu weisen – auf der Straße, in den Betrieben, an den Stammtischen, in den Leserbriefspalten oder im Alltag. Dazu wünsche ich uns allen genügend Kraft und Mut – das ist meine Botschaft zum Antikriegstag 2018.

80 Jahre Krieg gegen die Spanische Republik – 80 Jahre Internationale Brigaden

16. April 2018

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No pasaran – pasaremos!

In den vergangenen Monaten erinnerte die demokratische Weltöffentlichkeit an den Putsch der reaktionären Generäle, der vor 80 Jahren in Spanien stattfand und knapp drei Jahre später mit der Vernichtung der 2. Spanischen Republik endete. Heute wissen wir, dass der spanische Krieg 1936-1939 das Vorspiel zum 2. Weltkrieg war. Der Sieg Francos und seiner faschistischen Verbündeten markierte einen dramatischen Wendepunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Die VVN-BdA, Kreisvereinigung Kassel, erinnert gemeinsam mit dem Kasseler Friedensforum und der Deutsch-Spanischen Gesellschaft Nordhessen e.V. anlässlich des 8. Mai 1945, Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg, an diese Ereignisse mit einer Vortragsveranstaltung.

Es spricht: Hermann Kopp, Düsseldorf

Termin: Dienstag, den 08. Mai 2018, 19:00 Uhr.

Ort: Antiquariat Winfried Jenior, Marienstraße 5, 34117 Kassel

Ehren wir die Antifaschistinnen und Antifaschisten, die in Spanien gekämpft haben.

Erinnern wir an ihren Beitrag für ein antifaschistisches, demokratisches und friedliches Europa.

VVN-BdA verurteilt Brandanschlag auf Kasseler Yunus Emre Moschee

25. März 2018

Mit Abscheu und Entsetzen hat die Kasseler Kreisvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) auf den Brandanschlag auf die Kasseler Yunus Emre Moschee reagiert. Es kann in keiner Weise akzeptiert werden, dass Gotteshäuser – egal welcher Religion – Zielscheiben rassistischer oder politischer Auseinandersetzungen werden.

Genauso wie wir alle Formen von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit verurteilen, wenden wir uns gegen die zunehmenden Anzeichen von Anti-Islamismus in unserem Land. Dies sind Formen von Rassismus und Intoleranz, die in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.

Selbst die berechtigte Kritik an der völkerrechtswidrigen Kriegspolitik der türkischen Regierung gegen die kurdische Bevölkerung im eigenen Land und in Syrien rechtfertigt nicht, mit Brandanschlägen auf türkische religiöse Einrichtungen in unserem Land zu reagieren.

Die VVN-BdA versichert den türkischen Mitbürgern in unserer Stadt und allen Menschen aus anderen Ländern ihre volle Solidarität gegen rassistische und fremdenfeindliche Angriffe. Wir treten ein für Toleranz und aktive Friedenspolitik – das ist das Vermächtnis der Überlebenden des menschenverachtenden deutschen Faschismus.

 

Kunst als Überlebensmittel und Widerstand im KZ Buchenwald

11. März 2018

Aus Anlass des 73. Jahrestages der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald durch den Häftlingswiderstand am 11. April 1945 erinnern die VVN-BdA Kassel und die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/ Freundeskreis e.V. an die Geschichte des KZ und eine besondere Form des Überlebenskampfes und des Widerstands der Häftlinge.
Sie schufen eindrucksvolle Beispiele bildender Kunst – im Lager und nach der Befreiung.

Referent: Dr. Ulrich Schneider
Termin: Mittwoch, den 11. April 2018, 19.30 Uhr,
Ort: Café Buch Oase, Germaniastraße 14, 34119 Kassel

Die Präsentation wurde im Sommer 2017 zum ersten Mal im öffentlichen Programm der documenta14 einem internationalen Publikum vorgestellt.

 

85. Jahrestag der Machtübertragung an den deutschen Faschismus

4. Januar 2018

Unter dem Motto von Emil Carlebach „Hitler war kein Betriebsunfall“ lädt die Kreisvereinigung Kassel anlässlich des 85. Jahrestages der Machtübertragung an den deutschen Faschismus am 30. Januar 1933 ein zu einem Vortrag (Power-Point-Präsentation) mit dem

Historiker Günter Gleising (Bochum)

zum Thema

Anteil der Wirtschaft an der Errichtung der Nazidiktatur

Termin:     Dienstag, den 30. Januar 2018, 19.30 Uhr,

Ort:            Café Buch Oase, Germaniastraße 14, Kassel

Vor 40 Jahren brachte der bekannte antifaschistische Journalist eine erste Broschüre heraus, in der er nachzeichnete, dass Hitler und die NSDAP nicht „zufällig“ an die Macht gebracht wurden, sondern einflussreiche Kräfte aus Wirtschaft, Militär und Politik sich massiv dafür eingesetzt haben. In diesem Sinne laden wir zu einer Vortragsveranstaltung ein, auf der über Triebkräfte, Akteuere aus der Wirtschaft und politische Voraussetzungen zur Errichtung der faschistischen Herrschaft in Deutschland gesprochen werden soll. Dass dabei auch von Henschel und anderen Kasseler Größen zu sprechen ist, dürfte nicht überraschen.

Traditionelle Gedenkgang zur Reichspogromnacht in Kassel 2017

29. Oktober 2017

79. Jahrestag der Reichspogromnacht in Kassel
7. November 1938 – 2017

Eingeladen von der VVN-BdA, dem Kasseler Friedensforum und weiteren Unterstützern nahmen auch in diesem Jahr knapp dreißig Interessierte bei unserem traditionellen Gedenkgang teil, der an die antisemitischen Ausschreitungen vor den Augen der Menschen dieser Stadt im November 1938 erinnerte. Historisches Gedenken verpflichtet uns heute, gemeinsam gegen Neofaschismus, Rassismus und Ausgrenzung einzutreten.

Im Gedenken der Opfer der Pogromnacht: In unserer Stadt ist kein Platz für Antisemitismus und Rassismus!

Mit dem Gedenkgang sollte durch eine Verortung von Geschichte die Erinnerung an Verfolgung und faschistischen Terror für heutige Generationen lebendig gehalten und gleichzeitig ein Signal gegen Neofaschismus und Antisemitismus heute gesetzt werden. Bei diesem antifaschistischen Stadtrundgang werden historische Orte der antisemitischen Verfolgung und neu gesetzte Stolpersteine aufgesucht und in diesem Jahr Berichte von Zeitzeugen als Grundlage des Rundgangs vorgetragen. So kamen der jüdischen Lehrer Willy Katz, der Bebraer Jude Walter Fackenheim und weiter Zeugen der Verfolgung „zu Wort“. Der Mahn- und Gedenkgang endete im Kulturbahnhof am „Gleis der Erinnerung“, wo das einzige Dokument der damaligen Zeit „Gegen die Schmach der Judenpogrome“ (so der Titel des KPD-Flugblatts) vorgetragen wurde. Der zufällig anwesende Journalist von Kassel-live stellte dieses Bild anschließend ins Netz.Wir danken für diese Erwähnung.

 

Silvia Gingold gegen Landesamt für Verfassungsschutz – Kasseler Verwaltungsgericht entzieht sich seiner Verantwortung

8. Oktober 2017

Mit Enttäuschung und Empörung hat die VVN-BdA Kreisvereinigung Kassel das Urteil des Kasseler Verwaltungsgerichts im Verfahren Silvia Gingold gegen das Landesamt für Verfassungsschutz (LVS) Hessen zur Kenntnis nehmen müssen.

Ein Verwaltungsgericht hat die Aufgabe, den einzelnen Bürger gegen unrechtmäßiges Verwaltungshandeln zu schützen. Dazu muss das Gericht nicht nur prüfen, ob die jeweiligen Behörden alle Rechtsvorschriften eingehalten haben, sondern auch, ob das Handeln und die Entscheidungen der Verwaltung unzulässig in die Grundrechte des Einzelnen eingreifen.

Dieser Verantwortung hat sich das Kasseler Verwaltungsgericht im Verfahren von Silvia Gingold erkennbar nicht gestellt. Statt die Einlassungen der Klägerin angemessen zu prüfen und die von ihr beanstandeten Eingriffe in ihr grundgesetzlich verbrieftes Recht auf freie Meinungsäußerung als Rechtsgut gegenüber dem LVS zu verteidigen, folgt es – ohne erkennbare inhaltliche Auseinandersetzung – den schriftlich vorgetragenen Behauptungen des Inlandsgeheimdienstes für seine Bespitzelung und Denunziation der Klägerin. Zudem verweigert das Gericht selbst jegliche Prüfung, ob das Verhalten und die Aussagen der Klägerin für eine solche Bewertung irgendeinen Anlass geboten haben.
Allein die Tatsache, dass sie sich zusammen mit – vom hessischen LVS als „Linksextremisten“ bezeichneten – Persönlichkeiten und Organisationen in politischen Zusammenhängen befunden habe, reicht dem Gericht aus, um diese Form der Bespitzelung zu legitimieren. Dass es sich bei diesen Persönlichkeiten u.a. um den gegenwärtigen thüringischen Ministerpräsident handelt, ficht weder das LVS, noch das Verwaltungsgericht an. Mit diesem Urteil erteilt das VG Kassel dem VS einen Freibrief für seine Sammelwut gegenüber allen Formen demokratischen Engagements.
Unhinterfragt wird im Urteil die Behauptung des LVS nachgebetet, die Politik der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) sei linksextremistisch beeinflusst und gegen die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ gerichtet. Haben etwa die Stadt und der Landkreis Kassel, als sie während der documenta14 das Projekt „Bewahrung der Erinnerung“ gemeinsam mit der VVN-BdA umsetzten, den „Linksextremismus“ gefördert?

Das Verwaltungsgericht wurde seiner Verantwortung der Kontrolle dieser Behörde nicht gerecht. Dabei wäre eine solche Kontrolle dringend geboten. Machen doch die Vorgänge um den Mord an Halit Yozgat und die Eingebundenheit des VS-Mitarbeiter Andreas Temme deutlich, wie eng dieses Landesamt für Verfassungsschutz mit dem neofaschistischen Mordterror des NSU-Netzwerkes verwoben ist.

Der Kreisausschuss der VVN-BdA Kassel

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