Peter Gingold in der französischen Resistance

26. Juni 2017

Im Rahmen der Ausstellung „Antifaschistischer Widerstand in Europa 1922 – 1945“ findet nachfolgende Lesung statt:

Peter Gingold in der französischen Resistance

Peter Gingold (1916 – 2006) war einer der profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten in der Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren trat er als Redner auf politischen Kundgebungen, bei Aktionen gegen Naziaufmärschen und als Zeitzeuge in Schulen und bei Jugendgruppen auf.
Er hatte viel zu berichten: Erfahrungen aus der Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland, Exil in Frankreich und sein Kampf in den Reihen der französischen Résistance (Illegalität, politische Agitation unter deutschen Besatzungssoldaten, Flucht aus den Fängen der Gestapo und Teilnahme am Aufstand von Paris 1944).
Den 8. Mai 1945, das „Morgenrot der Menschheitsgeschichte“, erlebte er in Turin in den Reihen der italienischen Resistenza.
Zurückgekehrt über Wien und Berlin gestaltete er den politischen Neuanfang in Deutschland aktiv mit, musste jedoch erleben, wie er und seine Familie als Kommunisten fast zwei Jahrzehnte Rechtlosigkeit erlebten (Kommunistenverfolgung, Ausbürgerung und Berufsverbot).
Aber er verstand sich bei seinen zahlreichen Gesprächen mit jungen Menschen insbesondere als „Mut-Macher“, der immer wieder die Perspektive formulierte: „Nie aufgeben!“

Aus seinen Erinnerungen lesen seine Tochter Silvia Gingold und Ulrich Schneider
Ort: DGB-Haus Kassel, Spohrstraße 6, 34117 Kassel
Termin: Donnerstag, 06. Juli 2017, 16.00 h

„Preserving memories – Bewahrung der Erinnerungen“

15. Juni 2017

Am Dienstag, 13. Juni 2017 startete das Projekt „Preserving memories – Bewahrung der Erinnerungen“, getragen von der VHS Region Kassel, der Stadt und dem Landkreis Kassel, der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) und dem War Heritage Institut (Brüssel) in der Herderschule Kassel mit der Eröffnung der Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus“. Der Musiksaal war sehr gut gefüllt, gut die Hälfte der Gäste waren junge Leute. Begrüßt wurde die Eröffnung durch den kommissarischen Schulleiter Dr. Johannes Werner, der Stadtverordnetenvorsteherin der Stadt Kassel Petra Friedrich und Andrea Linnenkohl als Vertreterin des Kuratoren-Teams der documenta14. Dr. Ulrich Schneider führte in die Konzeption und die Idee dieser Ausstellung über den antifaschistischen Widerstand in verschiedenen Ländern Europas ein.

Ein entscheidender Teil des Projekts sind auch Begegnungen und Gespräche mit noch lebenden Zeitzeugen der antifaschistischen Bewegung aus Griechenland, Deutschland, Italien und Russland, aus der Tschechischen Republik und den Niederlanden. Bei der Eröffnung sprach Christos Tzintsilonis (griechischer Widerstandskämpfer und Vizepräsident der FIR) über seine Sicht auf die Bedeutung des Widerstands, die Rolle der kämpfenden Einheiten der demokratischen Armee Griechenlands (EAM) und die griechischen Probleme der Wiedergutmachung der von der deutschen Besatzung angerichteten Schäden. Aristomenis Syngelakis berichtete in einem emotionalen Beitrag über das Schicksal seiner Familie, die bei faschistischen Massakern fast 30 Angehörige verloren hatte, und skizzierte in aller Kürze die Berechtigung der griechischen Forderungen nach deutschen Reparationen und die Blockade-Haltung aller bisherigen Bundesregierungen. Den Abschluss bildete eine Gesprächsrunde im kleineren Kreis, bei der Christos Tzintsilonis auch über seine persönlichen Widerstandserfahrungen und Mitstreiter wie Manolis Glezos berichtete.

Die Ausstellung wird noch bis Ende Juni in der Herderschule gezeigt, anschließend im DGB-Haus und bis zum 14. September 2017 in der VHS-Kassel.

Eindrucksvolles Gedenken an Distomo zur documenta14 Eröffnung

10. Juni 2017

Die am 10. Juni 2017 eröffnete Kunstausstellung documenta14 hat das Motto „Von Athen lernen“. Das nahmen Antifaschisten der Kasseler documenta-Griechenland-Gruppe, des AK Distomo aus Hamburg und Berlin zum Anlass, am Eröffnungswochenende an die faschistischen Verbrechen von SS und Wehrmacht in Griechenland und die bis heute unbeglichene deutsche Schuld zu erinnern. Zwei zentrale Veranstaltungen waren geplant: Die Vorführung des Films von Stefan Haupt „EIN LIED FÜR ARGYRIS“ über das Schicksal von Argyris Sfountouris, der als knapp Vierjähriger das Massaker von Distomo und den Verlust seiner Familie miterleben musste, und eine Kundgebung zum Gedenken an die Opfer des SS-Massakers am folgenden Tag in der Kasseler Innenstadt.
Beide Veranstaltungen waren außerordentlich eindrucksvoll. Etwa 200 Interessierte kamen zur Filmvorführung und hatten die Gelegenheit, anschließend Argyris Sfountouris persönlich zu erleben. Er war auch am folgenden Tag der Hauptredner der Kundgebung zum Gedenken an Distomo. Auf Schildern zeigten die die Teilnehmenden die Orte der faschistischen Verbrechen in Griechenland. Viele Gäste der Eröffnung der documenta14 kamen zu dieser Aktion und nahmen Anteil an dieser Gedenkaktion. Im Mittelpunkt stand die Ansprache von Argyris Sfountouris, der neben seiner persönlichen Erinnerung an das Massaker auch eindringlich die politische Verantwortung der deutschen Regierung für die Wiedergutmachung der faschistischen Verbrechen betonte. Das Theaterprojekt Distomo aus Berlin präsentiert Ausschnitte seines dokumentarischen Theaterstücks über das Massaker. Zum Abschluss berichtete Martin Klinger vom AK Distomo in Hamburg noch einmal vom aktuellen Stand der juristischen Auseinandersetzung um die Frage der Wiedergutmachung und der politischen Verantwortung der Bundesregierung. Er kritisierte, dass Bundespräsident Steinmeier, der an diesem Tag die documenta14 eröffnete, als Außenminister große Verantwortung dafür getragen hat, dass jegliche deutsche Verantwortung für diese Verbrechen mit politischen Mitteln zurückgewiesen wurde.
In einer kurzen Grußansprache des Generalsekretärs der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Dr. Ulrich Schneider, wurde auch eine Verbindung zwischen Distomo und dem Massaker in Lidice, was sich 2017 zum 75. Mal jährt, hergestellt. Auch dort wurde lange Jahre die politische Verantwortung geleugnet, bis es gelang, dass die Bundesregierung bereit war, Wiedergutmachung und Aufarbeitung zu unterstützen. „Unser gemeinsamer politischer Druck muss dazu führen, dass eine solche Haltung bald auch gegenüber dem griechischen Volk eingenommen wird.“, forderte Ulrich Schneider in seinem Appell.
Nachdem anfangs die documenta14 das Thema Distomo überhaupt nicht berücksichtigt hatte, konnte Argyris Sfountouris am Abend des Tages im öffentlichen Programm der documenta14 „Parliament of Bodies“ seine Erfahrungen und politischen Forderungen vor einem internationalen Publikum präsentieren. Auch an dieser Stelle wurde sichtbar, dass Kunst in keiner Weise unpolitisch sein kann.

Eröffnung der Ausstellung „Antifaschistischer Widerstand in Europa“

10. Juni 2017

Am Dienstag, 13. Juni 2017 um 15:00 h wird in der Herderschule Kassel, Maulbeerplantage, das Projekt „Preserving memories – Bewahrung der Erinnerungen“ mit der Eröffnung der Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus“ und einem Zeitzeugen-Vortrag mit Christos Tzintsilonis (PEAEA, Widerstandskämpfer und Historiker, Vizepräsident der FIR) gestartet. Auch bei dieser Veranstaltung ist eine Teilnahme sicherlich lohnend.

Und als Vorankündigung möchte ich schon jetzt auf ein Zeitzeugengespräch mit dem ehemaligen Häftling des KZ Buchenwald Günter Pappenheim (Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Vorsitzender der LAG Buchenwald-Dora und Mitglied im Ehrenpräsidium der FIR) am Dienstag, 27. Juni 2017, von 14:30 – 16:30 h ebenfalls in der Herderschule hinweisen.

Ostermarsch-Rede an der „Rampe“

17. April 2017

In diesem Jahr hat Mechthild Middeke (ver.di-Nordhessen) an dem Mahnmal von Nele Bode „Die Rampe“ nachfolgende Ansprache gehalten:
Hier am Mahnmal „die Rampe“ der Künstlerin Nele Bode erinnern wir an die Ausgrenzung und Ermordung von Menschen in der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft. Renee Nele Bode ist die Tochter des Documenta Gründers Arnold Bode; sie hatte das Kunstwerk 1982 für die Ausstellung „Stoffwechsel K18 geschaffen; es ist seit 1985 auf dem Campus der Universität aufgestellt.
Wir sehen Gestalten die aus einem Güterwagen kommen, ohne Gesicht und nur in Konturen, Gestalten, die jeder Individualität und Menschenwürde beraubt sind. Sie stehen symbolisch für die vielen Millionen Menschen die von den Nationalsozialisten zwangsweise in Viehwaggons verladen worden sind und die einem unbestimmten Schicksal entgegenfuhren. Deportiert aus der Heimat, endete die Fahrt an den Vernichtungslagern, den Konzentrationslagern und den Arbeitslagern, wo die Menschen, die diese oft tagelangen Transporte eingepfercht und oft ohne Nahrung, überlebt hatten, aus den Waggons getrieben wurden. Wer nicht gleich aussortiert und den Gaskammern zugeführt wurde, der musste Zwangsarbeit leisten. In Kasseler Rüstungsbetreiben wurde 1000nde Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt.
Die Universität befindet sich hier auf dem Stammwerk-Gelände der Firma Henschel. Bei Henschel wurden während des 2. Weltkriegs Panzer, Lokomotiv-Teile und LKWs hergestellt. Zur Produktion hat Henschel Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt. Diese waren u.a. am Schäferberg (Espenau) untergebracht. Morgens um 5 Uhr verließen die Menschen das Lager und bewältigten zunächst etwa 6 Kilometer Fußmarsch bis sie gegen 19 Uhr abends zurückkehrten. Da hatten sie wiederum 6 Kilometer Fußmarsch und einem 10 Stunden-Arbeitstag hinter sich. Ausgemergelte und nur schemenhaft wahrnehmbare Kolonnen von Menschen hatte die Künstlerin in ihrer Kindheit bei den Besuchen ihrer Großeltern, die in der Nähe von Henschel wohnten, vorbeiziehen sehen.
Wir gedenken hier an diesem Ort der vielen Menschen denen die Nazis ihre Freiheit und ihre Menschenwürde geraubt haben. In der Ideologie der Nazis wurden all jene ausgegrenzt und als minderwertig, ja sogar als lebensunwert, angesehen, die nicht zum Volk der sog. „Herrenrasse“ gehörten.
Es ist wichtig in der Öffentlichkeit, in öffentlichen Räumen, Menschen mit dem Grauen des Nationalsozialismus zu konfrontieren und zu zeigen wohin die nationalsozialistische Propaganda vom deutschen Volk das gesunden muss, dass sich von fremden Elementen reinigen muss, hingeführt hat. Andersdenkende, Menschen anderer Herkunft, Menschen die aus vielfältigen Gründen nicht in das Konstrukt des deutschen Volkes gepasst haben wurden erniedrigt, verfolgt, gequält, ja sogar vernichtet.
Und wieder hat das Konstrukt der Volksgemeinschaft Konjunktur.
„Wir sind das Volk“ so wie die Parole von Pegida, deren Ablegern und der Alternative für Deutschland, der AFD benutzt wird, hat wieder zur Folge, dass Menschen die hier leben und nicht in dieses Bild vom deutschen Volk passen und Menschen die aus Verfolgung und Krieg hierher kommen (wollen) ausgegrenzt werden.
Der Begriff „völkisch“ sollte nicht mehr so negativ verstanden werden, sagte die Vorsitzende der AFD Frauke Petry der Welt am Sonntag im September letzten Jahres(11.09.2016). Man müsse „daran arbeiten, dass dieser Begriff wieder positiv besetzt ist“. Es sei eine „unzulässige Verkürzung“, wenn gesagt werde, „‚völkisch‘ ist rassistisch“.
Wer den Begriff des Völkischen wieder hoffähig machen will, wie Frauke Petri, ist eine geistige Brandstifterin. Wer Brandanschläge auf Flüchtlingsheime oder auf Moscheen, verübt, nimmt billigend in Kauf, dass dabei Menschen zu Schaden kommen. Diese Verbrechen passieren in unserer Gegenwart und das ist beschämend.
Dem müssen wir uns entgegensetzen und es gibt ja auch die andere Seite. Die Seite derjenigen, die in der Situation, wo viele Menschen als Flüchtlinge hierhergekommen sind, sich engagieren durch konkrete Hilfe oder durch politisches Engagement gegen Rassismus und für Menschenrechte, die uneingeschränkt gelten müssen.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“– so steht es im Grundgesetz. Menschenwürde zu achten und zu schützen – dafür engagieren wir uns und dies schließst den Kampf um soziale Gerechtigkeit ein. Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich die soziale Spaltung unserer Gesellschaft weiter vertieft, dass sich Menschen abgehängt und ohne Perspektive sehen .Ungerechtigkeitserfahrungen und die Enttäuschung über die herrschende Politik sind der Nährboden für die Demagogie der Rechtspopulisten. Die Sündenbock-Zuschreibung, die damals den Juden alles gesellschaftliche Übel angedichtet hat, funktioniert in anderer Weise wieder. Heute sind es die Flüchtlinge, die Migranten oder die Muslime, gegen die Ressentiments entfesselt werden.
„Wir sind viele, wir sind eins!“ ist das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum diesjährigen 1. Mai. Wir sind viele: Wir sind Junge und Alte, Frauen und Männer, Migrantinnen und Migranten, Beschäftigte, Erwerbslose, Rentnerinnen und Rentner. Wir sind eins: Wir kämpfen für mehr soziale Gerechtigkeit und stehen für eine Gesellschaft, die die Würde der Menschen auch in der Arbeitswelt respektiert und schützt. Wir demonstrieren am 1. Mai für eine soziale, tolerante, demokratische und solidarische Gesellschaft in Deutschland und in Europa.“ so heißt es im Aufruf.
Wir leben in einer globalisierten Welt. Die Folgen von Krieg und Zerstörung an anderen Orten – außerhalb Europas, sind unmittelbar bei uns spürbar. Abschottung funktioniert nicht! Krieg, Terror, Verfolgung und Zerstörung der Lebengrundlagen zwingen immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Anstatt gegen die Fluchtursachen vorzugehen, geht es den regierenden vorrangig um Fluchtverhinderung, um Schließung der Fluchtwege. Das Asylrecht wird weiter eingeschränkt. Dabei hat Deutschland eine besondere Verantwortung, Flüchtlingen zu helfen: aufgrund der Geschichte, des Faschismus, aber auch aufgrund der wirtschaftlichen Situation. Deutschland ist Weltmeister im Export von Gütern, darunter auch Rüstungsgüter. Deutschland hat dazu beigetragen, dass es in der globalisierten Wirtschaft starke Ungleichgewichte gibt und deutsche Waffen kommen gerade in den Krisengebieten des nahen Osten vielfach zum Einsatz, auf allen Seiten der Konfliktparteien.
„Frieden schaffen – ohne Waffen! Dafür gehen Menschen bei den Ostermärschen seit mehr als 50 Jahren auf die Straße. Frieden ist die Voraussetzung dafür, dass es eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung gibt, dass Umwelt- und Klimaschutz weltweit stattfinden kann. Wir dürfen in unserem Bemühen um Frieden nicht nachlassen, dass sind wir den Opfern, des schlimmsten Krieges, der von Deutschland ausging schuldig.Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Landesversammlung und 70jähriges Gründungsjubiläum

25. Februar 2017

Am 18. Februar feierte die hessische VVN-BdA im Rahmen ihrer Landesversammlung in Gießen auch das 70 jährige Gründungsjubiläum.
Grußworte von drei im hessischen Landtag vertretenen Parteien und der Landesbezirksvorsitzenden von Hessen-Thüringen des DGB sowie der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Ausländerbeiräte (AGAH) machten deutlich, dass die VVN mehr denn je ein akzeptierter politischer Faktor im politischen Leben des Landes ist.
Die Beschlüsse und Dokumente der Konferenz sind auf der hessischen internetseite www.hessen.vvn-bde.de zu finden.
Bemerkenswert aus Kasseler Sicht war auch die Ausstellung der Gründungsmütter und -väter der hessischen VVN. Hier wurde Georg Merle mit einer Stellwand gewürdigt. Die VVN-BdA Kassel plant, die Ausstellung im Sommer 2017 in der Stadt zu zeigen.

„Und weil der Mensch ein Mensch ist“ – Konzert

22. Januar 2017

Aus Anlass des 27. Januar – dem Gedenktag für die Opfer des Faschismus – luden die VVN-BdA Kreisvereinigung Kassel und das Kasseler Friedensforum zu einer kulturellen Matinee-Veranstaltung mit der Bremer Gruppe „Die Grenzgänger“ ein.
Die Gruppe präsentierte im gut gefüllten Saal im Stadtteilzentrum Vorderer Westen ihr Programm:
„Und weil der Mensch ein Mensch ist“
Lager – Lieder – Widerstand

Der große Applaus am Ende des Konzertes zeigte, dass die Musiker nicht nur die richtigen Lieder und Töne, sondern auch die politische Gemütslage der Besucher getroffen haben.

Grenzgänger mit Publikum Foto Tim Wettlaufer

Öffentliches Gedenken an die Reichspogromnacht in Kassel

7. November 2016

Wie in den vergangenen Jahren erinnerten auf Einladung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und des Kasseler Friedensforums am Abend des 7. November 2016 zahlreiche Kasseler Bürger, darunter viele junge Leute, mit einem Gedenkgang an die antisemitischen Ausschreitungen vor 78 Jahren. Bei der Auftaktkundgebung am Platz der ehemaligen Synagoge erinnerten Sprecher an die historischen Ereignisse der Zerstörung der Kasseler Synagoge durch SA und SS am Abend des 7. November 1938 und gleichzeitig an Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz heute.

Bei dem anschließenden Gedenkgang wurde in der Schillerstraße an „Stolpersteinen“ für die Familien Ziering Burghardt und Elias sowie an der Gedenktafel für das jüdische Deportationssammellager an der heutigen Arnold-Bode-Schule die Erinnerung an Verfolgung und faschistischen Terror für heutige Generationen lebendig gehalten. An der Rosenstraße erinnerte der Redner an das damalige Zentrum jüdischen Lebens, was der faschistische Mob am Abend des 7. November 1938 ebenfalls mit Zerstörung und Gewalt überzog.
Anschließend begaben sich die Teilnehmenden in den Kulturbahnhof und setzten sich mit den künstlerischen Denkzeichen, der Sammlung der Erinnerungssteine (Schülerprojekt) und dem „Gedächtnis der Gleise“ am Gleis 13/14, des Künstlers Horst Hoheisel auseinander.

Zum Abschluss des Gedenkgangs betonte Dr. Ulrich Schneider (VVN), wie wichtig auch in heutiger Zeit das öffentliche Gedenken sei. „Wir wollen in einer Stadt leben, in der Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz keinen Platz hat. Das müssen wir immer wieder laut und deutlich zum Ausdruck bringen. Und dazu braucht es auch solcher Mahngänge.“

Gedenken Reichspogromnacht 1938 – 2016

23. Oktober 2016

Wie in den vergangenen Jahren rufen die VVN-BdA Kassel und das Kasseler Friedensforum auf, mit einer öffentlichen Aktion an die antisemitischen Ausschreitungen 1938 vor den Augen der Menschen dieser Stadt zu erinnern. Historisches Gedenken verpflichtet uns heute, gemeinsam gegen Neofaschismus, Rassismus und Ausgrenzung einzutreten.

Am Montag, den 7. November 2016, führen wir einen Mahngang auf den Spuren der Ausgrenzung und der Deportation in die Vernichtungslager (mit historischen Erläuterungen) durch. Mit dem Gedenkgang soll durch eine Verortung von Geschichte die Erinnerung an Verfolgung und faschistischen Terror für heutige Generationen lebendig gehalten und gleichzeitig ein Signal gegen Neofaschismus und Antisemitismus heute gesetzt werden.
Bei diesem antifaschistischen Stadtrundgang werden historische Orte der antisemitischen Verfolgung und neu gesetzte Stolpersteine aufgesucht.

Gedenkkundgebung und Mahngang
Von der ehemaligen Synagoge zum Kulturbahnhof

am Montag, den 7.November 2016, um 17.00 Uhr

Treffpunkt: Gedenktafel für die ehemalige Synagoge, Untere Königstraße (gegenüber Hauptpost)

8.Mai 1945: Tag der Befreiung als Nationaler Gedenktag

5. Mai 2016

Im vergangenen Jahr haben auf Einladung des Kasseler Friedensforums und der VVN-BdA viele Menschen auch in Kassel den 8. Mai als Tag der Befreiung begangen. Wir erinnerten daran, dass am 8. Mai 1945 nicht nur der Krieg in Mitteleuropa beendet war, sondern dass mit der Zerschlagung des deutschen Faschismus die Menschen auch von einer terroristischen Herrschaft befreit wurden. Diese Befreiung haben in den 40er Jahren auch Kasseler Nazigegner genutzt, um einen antifaschistisch-demokratischen Neubeginn zu versuchen.

Wir erinnern daran und schließen uns dem nachfolgenden bundesweiten Aufruf an.

Einrichtung eines Nationalen Gedenktags zum 8. Mai
Der zweite Weltkrieg stellt ein Menetekel dar, ein Warnungszeichen an die gesamte Menschheit, den Weg des hemmungslosen Machtkampfs und der schrankenlosen Zerstörung zu beenden. Auf drei Kontinenten wurde von 1939 bis 1945 mit bis dahin nicht erlebter Rücksichtslosigkeit gegenüber jedem menschlichen Leben von dem verbrecherischen deutschen NS-Staat und seinen Verbündeten ein Eroberungskrieg geführt, dessen Ziel Ausrottung und Unterwerfung anderer Nationen und rassistisch ausgegrenzter Gruppen war.
Über 50 Millionen Menschen verloren ihr Leben – zum Ende zeigten die Atombombenexplosionen in Hiroshima und Nagasaki, dass nun die Mittel zur völligen Vernichtung der Menschheit den Militärmächten zur Verfügung. Wer aus seiner Geschichte nicht lernt, ist verurteilt, solche Verbrechen und selbstverschuldeten, ungeheuren Katastrophen erneut zu erleben.

Deutschland ist seit dem Kosovo-Krieg über Afghanistan und nun Syrien auf einem verhängnisvollen Weg der Verleugnung seiner entsetzlichen Kriegsgeschichte. Die „Enttabuisierung des Militärischen“ (Gerhard Schröder) ist weit vorangeschritten. Der historischen Amnesie muss im Interesse unserer Zukunft entschieden entgegengetreten werden. Deswegen werden wir uns dem Vergessen entgegenstellen, und unsere Forderung auch weiter vertreten: den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ zu einem Nationalen Gedenktag zu machen.

In anderen am Zweiten Weltkrieg beteiligten Staaten wird der Jahrestag des Kriegsendes in Europa als Feiertag begangen, so in Frankreich, Tschechien und der Slowakei, in den Niederlanden (am 5. Mai), in Italien (am 25. April). In der Sowjetunion wurde am 9. Mai der Tag des Sieges begangen – in der DDR war übrigens seit 1950 der 8. Mai gesetzlicher Feiertag zum Gedenken an den Sieg über den Faschismus. Und warum wurde und wird in NATO-Deutschland dieses geschichtsträchtige Datum verdrängt?

Für uns gilt die denkwürdige Klarstellung des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der am 8. Mai 1985 sagte: „Der Blick ging zurück in einen dunklen Abgrund der Vergangenheit und nach vorn in eine ungewisse dunkle Zukunft. Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Heute droht unser Geschichtsbild überschattet zu werden von einem erneuerten Feindbild gegen Russland, dem Kern der früheren Sowjetunion, die mit 27 Millionen Toten die größten Opfer für die Befreiung Europas vom Faschismus gebracht hatte.

Wir brauchen den Gedenktag auch zur Mahnung an die Befreiung von Kriegspropaganda, die im Kern von Rassismus, Streben nach Dominanz über abhängige Staaten und Eroberung von Ressourcen angetrieben wurde. Die Kontinuitäten der heutigen Politik sind bedrohlich, die Erinnerung an die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und zugleich die Aufdeckung seiner Ursachen ist ein wichtiges Element einer friedensfähigen Zukunft.

Mit Willy Brandts Worten “Vom deutschen Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen” halten wir uns an das Grundgesetz Art. 26 GG und widersprechen der Geschichtsvergessenheit aktueller deutscher Politiker, die von wachsender Verantwortung Deutschlands reden und direkt oder indirekt militärisches Eingreifen in fremden Ländern meinen, immer wieder unter Bruch des Völkerrechts.
Wir begründen unsere Forderung im Sinne des Schwurs der Häftlinge von Buchenwald bei ihrer Befreiung:
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Silvia Gingold, Kasseler Friedensforum

Dr. Ulrich Schneider, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

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